Von Imelda Flaig
HERRENBERG. In Polanskis Film, der auf der Berlinale Weltpremiere feierte und zurzeit in den Kinos läuft, soll der britische Ghostwriter (Ewan McGregor) die Memoiren des früheren Premierministers Adam Lang fertigstellen, der von James-Bond-Darsteller Pierce Brosnan gespielt wird. Im Ferienhaus von Langs US-Verleger brütet der Ghostwriter über dem Manuskript - umgeben von Walter-Knoll-Möbeln aus Herrenberg. Der hat für das Luxusanwesen unter anderem Sessel, Sofas, Stühle und einen Schreibtisch geliefert.
Man habe sich natürlich gefreut, als die Anfrage nach den Möbeln kam, sagt Markus Benz, der seit 17 Jahren an der Spitze des Polstermöbelspezialisten steht. Der Schreibtisch im Film läuft bei Walter Knoll unter dem Programm exklusives Chefzimmer und kostet 18 000 Euro. Ob er auch so einen besitzt? Benz muss lachen, schüttelt den Kopf. Nein, das passe nicht zu einem schwäbischen Unternehmer, sagt er.
Dennoch schließen sich Schwäbisch und Exklusivität nicht aus. Das mittlerweile 145 Jahre alte Unternehmen arbeitet mit internationalen Topdesignern und Architekten zusammen wie etwa Norman Foster - er hat den Berliner Reichstag umgebaut - oder Ben van Berkel, dem Architekten des Mercedes-Benz-Museums. "Wenn man es mit Fußball vergleicht, spielen wir in der Champions League", beschreibt es Benz. Für ihn zählen dabei klassische Werte, Design, Handwerklichkeit und Qualität.
Die Lederhäute beispielsweise, die sich in der gläsernen Manufaktur gegenüber dem Herrenberger Bahnhof dutzendweise über den Ständern stapeln, kommen größtenteils aus Süddeutschland, weil hier die Qualität besser sei als aus Südamerika. Elektrozäune statt Stacheldraht, kaum Pilzbefall und kaum Stechmücken, nennt Benz Beispiele. Das ist wichtig, denn kleine Narben oder Insektenstiche sind Fehler im Material, auch wenn sie für den Laien kaum erkennbar sind. Jährlich verarbeitet Walter Knoll rund 150 000 Quadratmeter Lederhäute. Entsprechend der hohen Qualitätsansprüche sind auch die Preise: Eine Sofaecke mit Stoffbezug etwa gibt es ab 6500 Euro und kann je nach Ausstattung und Leder auch das Vierfache oder mehr kosten. Klassische Walter-Knoll-Kunden sind nicht die "Neureichen", wie Benz sagt, sondern Leute mit internationalem Lifestyle, die durch ihr Studium, ihre Arbeit und Reisen mit verschiedenen Kulturen in Kontakt gekommen sind - beispielsweise aus Hongkong stammen, in Paris leben, für eine Firma in New York arbeiten.
Das Unternehmen, das neben Polstermöbeln, Tischen und Stühlen auch Chefzimmer und Konferenzanlagen inklusive Multimediatechnikvorrichtungen herstellt, macht rund 50 Prozent des Umsatzes mit Firmenkunden. Das reicht von der Ausstattung von Hotels, Museen und anderen öffentlichen Einrichtungen über Vip-Lounges in Stadien oder Flughäfen bis zu Konferenz- und Chefzimmern in Konzernen. Dass viele im vergangenen Jahr ihre Investitionsbudgets gekappt haben, bekam auch Walter Knoll zu spüren. Der Umsatz ging 2009 von 63 auf 58 Millionen Euro zurück - einschließlich des Beitrags der Lizenzpartner in den USA und Australien. Unterm Strich blieb bei dem Familienunternehmen, das eine Eigenkapitalquote von rund 50 Prozent hat, noch ein "zufriedenstellendes Ergebnis", wie Benz sagt.
Gut 55 Prozent entfallen aufs Exportgeschäft, wo man mit 1,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr den größten Auftrag der Firmengeschichte an Land ziehen konnte: die Ausstattung der King Abdullah University of Science and Technology in Saudi-Arabien, die derzeit am Ufer des Roten Meeres entsteht. Auch Asien spielt für den Mittelständler eine immer größere Rolle. Im Mai wird in China ein Showroom mit rund 14 0000 Quadratmetern eröffnet, nächste Woche reist Benz nach Asien um bei Eröffnungen in Japan, Hongkong und Taiwan dabei zu sein. "Asien entwickelt sich zu einem wichtigen Standbein", freut sich Benz.
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