Familienstreit bei Möbel Rieger
Göppingen. Ein Familienstreit sorgt seit Monaten in der Göppinger Chefetage von Möbel Rieger für Unruhe. Jetzt ist Benno Rieger aus der gemeinsamen Geschäftsführung mit seinem Vater Franz ausgestiegen.
"Design your Life", gestalte dein Leben, heißt es vielsagend im Göppinger Stammhaus von Möbel Rieger. Angesichts des handfesten Vater-Sohn-Konflikts, der seit Monaten in der Chefetage des Unternehmens rumort, bekommt das eine ganz neue Bedeutung. Vorläufiger Höhepunkt des Familienstreits: "Aufgrund unterschiedlicher Auffassung über die Geschäftsführung" ist Benno Rieger aus der gemeinsamen Geschäftsleitung mit seinem Vater Franz Rieger ausgeschieden. Er bleibe der Möbel-Rieger-Gruppe mit Häusern in Esslingen, Göppingen, Aalen, Reutlingen, bei Erfurt und in Gera als Gesellschafter weiterhin verbunden, heißt es in einer knappen von Benno und Franz Rieger unterzeichneten Pressemitteilung. Das Unternehmen, das mit insgesamt rund 1500 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von über 200 Millionen Euro erwirtschaftet, werde auch in Zukunft ein Familienunternehmen bleiben, so das Papier weiter. Mehr will der 69-jährige Firmenchef Franz Rieger zu dem Zwist, über den gestern auch die Stuttgarter Zeitung berichtet hat, nicht sagen. Nur so viel: "Das ist ein vorübergehendes Problem." Sohn Benno war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die familiäre Auseinandersetzung bei Rieger wird in der Möbelbranche seit Wochen diskutiert. Öffentlich wurde der Vater-Sohn-Konflikt bereits im Oktober vergangenen Jahres aufgrund einer Personalnotiz im Münchner Fachmagazin "Inside". Darin wird berichtet, dass Firmenchef Franz Rieger seinem Sohn und Nachfolger Benno eine "Erholungspause" verordnet habe. Die Vakanz fülle Wolfgang Delle aus, "lange Zeit rechte Hand des Bosses" und in den vergangenen Jahren als freier Mitarbeiter aktiv.
Die Reaktion des Sohnes folgte prompt. Benno Rieger teilte mit, dass er sich bester Gesundheit erfreue - "Ich bin am vergangenen Sonntag meinen ersten Marathon gelaufen". Es handle sich um keine "verordnete Genesungspause", sondern um eine von ihm gewählte Auszeit. Der Grund sei "ein Generationenkonflikt, der auch in unserem Hause seinen Höhepunkt erreicht hat." Der Juniorchef: "Mein Streben nach Verantwortung in unserem Unternehmen und das gleichzeitige Festhalten meines Vaters an genau dieser stellt eine Zielkonkurrenz dar." Nicht gut zu sprechen ist der Sohn auf den langjährigen Einkaufsleiter Wolfgang Delle: Er spiele eine "unrühmliche Rolle in dieser Auseinandersetzung" und versuche zum wiederholten Mal, "einen Keil in unsere Familie zu treiben."
Nun, so vermutet die Zeitschrift "Inside", werde ein Fremdmanager für die nahe Zukunft gesucht, der das kerngesunde und bestens im Markt positionierte Haus an der Seite von Franz Rieger managen dürfe. Für Simon Feldmer, den verantwortlichen Redakteur, ist das kein Dauerzustand: "Rieger steht gut da, aber irgendwann muss geklärt werden, wie es weitergeht."
Dass Vater-Sohn-Konflikte im Hause Rieger zuweilen auch gütlich gelöst werden, davon hat Franz Rieger im Oktober vergangenen Jahres in der VHS-Reihe "LebensWerk" berichtet: Sein Vater Xaver, der Möbel Rieger 1950 in Heidenheim gegründet hatte, sei anfangs aufgrund des Risikos gegen den Bau des Göppinger Hauses im Jahr 84 gewesen. "Am Ende sagte er mir dann aber doch: ,Buale, des hasch gut gmacht!"
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Autor: JOA SCHMID | 05.03.2010
Ein Bild aus harmonischeren Tagen: Firmenchef Franz Rieger und sein Sohn Benno im November 2006 im Stammhaus in Göppingen. Foto: Archiv
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